Homeless?

Seit Oktober suche ich für meine Freundin und mich eine Wohnung in Stuttgart. Gar nicht so einfach, diese selbstauferlegte Wohnungs-Challenge.

Bisher habe ich 53 Makler oder Vermieter über fünf verschiedene Plattformen kontaktiert, zwölf Wohnungen besichtigt und 0 Mietverträge unterschrieben. Von den zwölf Wohnungen hätten wir bisher zwei wirklich haben wollen. In der einen waren wir unter den letzten vier „Bewerbern“ und wurden leider nicht genommen. Bei der anderen wurden wir uns im Preis nicht einig. 1.200 € Kaltmiete für 84m² ist dann doch etwas zu viel.

Wieso Challenge? Weil wir unsere Wohnungen zum 1. Februar 2017 bereits gekündigt haben. Viel Zeit bleibt nicht. Ich hatte mir das auch einfacher vorgestellt und verstehe nicht, wie man uns nicht als Mieter haben möchte. Wir sind ein junges Paar, 36 und 32 Jahre alt. Wir rauchen nicht. Wir spielen keine Instrumente. Wir feiern keine wilden Partys, nehmen keine Drogen und besitzen keine Haustiere. Wir sind nicht nur ordentlich, ich würde sogar sagen, dass wir einen leichten Hang zum Putzfimmel haben. Wir hassen Staub, Schmutz, Schimmel und lieben Ordnung. Mal abgesehen davon, dass wir Unterstützung von ganz, ganz oben haben: Wir arbeiten beide bei der Kirche! Das zeigt nicht nur, dass man sich auf uns verlassen kann, sondern dass man sicher die Miete bekommt… #unbefristet #ÖffentlicherDienst. Ich könnte mir, wenn dann mal Nachwuchs da ist, die Miete sogar alleine leisten und wir könnten immer noch schön in den Urlaub fahren. In bessere Hände könnte eine Wohnung nicht gegeben werden. Und dennoch finden wir keine.

Sind meine Ansprüche zu hoch? Für mich ist die eigene Wohnung sehr wichtig. Ich möchte mich dort wohl fühlen. Neu renoviert wäre optimal, keine abstehenden Holzleisten, keine Kalkflecken auf den Wasserhähnen, keine Löcher in der Wand, kein ekliger Boden. Also kein PVC, sieht billig aus. Kein Teppich, wirkt ungepflegt, sammelt Bakterien an und ist nichts für mich als Hausstauballergiker. Bleibt also nur Parkett oder Laminat übrig. Ich mag hohe Decken. Und Stuck. Das passt gut zu meinem Mobiliar. Ich habe ein Faible für antike Schreibtische, Schränke, alte Lampen und dergleichen. Das verleiht der Wohnung einen Hauch von Magie. Als würde Indiana Jones dort wohnen.

Ein weiteres Kriterium: Die Größe. Ist es zu viel verlangt, dass ich mich im Bad nicht mit den Ellenbogen an der Wand anschlagen will, wenn ich mir nach dem Duschen mit dem Handtuch den Rücken abtrockne? Und eine 40 cm Arbeitsfläche in der Küche reicht mir auch nicht aus. Ich koche gerne. Ich brauche Platz. Ich verstehe nie, was der Vermerk „charmante kleine Küche“ eigentlich bedeuten soll. Übersetzt für mich hieß das, meiner Erfahrung nach, bislang immer: „Die Küche ist scheißklein! Gemeinsame Kochabende, romantisch bei Jazzklängen in der Küche stehen und Sellerie schnippeln is‘ nich!“

Ich glaube fest daran, dass es unsere Wohnung gibt. In Stuttgart. Zahlbar. Irgendwo dort draußen sind Vermieter, die nicht auf den „Ich verlange 1.200 Euro für 3 Zimmer, irgendein Depp wird es schon zahlen“-Zug aufgesprungen sind. Denen es wichtiger ist, einem jungen Paar die Chance zu geben, eine Familie zu gründen, als das große Geld zu verdienen. Und zwar so, dass man sich nicht beim Besuch von den Eltern für die Wohnung schämen muss und sie dennoch zahlen kann, um noch leben zu können.

Wir werden weiter suchen und wir werden eine Wohnung finden. Im Westen Stuttgarts. Oder im Süden. Oder in Bad Cannstatt.

Jens Schmitt

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