So what?

Manchmal komme ich ins Grübeln, denke über mein Leben nach und erkenne wieder, dass es endlich ist. Warum erfüllt man sich seine Träume nicht? Warum versucht man nicht mehr? Wieso sehnt sich der Mensch so nach Sicherheit?

Ich habe Bekannte, die ihren Job hingeworfen und ihr Hab und Gut verkauft haben, um eine Weltreise zu machen. Das war vor über 2 Jahren. Seither sind sie unterwegs. Einer meiner besten Freunde zieht nun für mindestens 6 Monate in die USA, um dort zu arbeiten. Mein Schwager macht gerade seinen Motorradführerschein. Er muss sich beeilen. Im Mai sind er und seine Frau auch in den USA – dort will er auf den endlosen Highways fahren. Und ich? Ich mache mir mein ganzes Leben lang schon Gedanken darüber, was andere davon halten, was ich mache. Was denken meine Eltern, meine Freunde, all die unzähligen Bekanntschaften?

Will ich mir einen Audi A5 kaufen, raten mir meine Eltern, dass es ein Golf auch tut. Andere fragen sich, wieso man in Stuttgart überhaupt ein Auto braucht. Mit den sozialen Medien heutzutage ist sowieso alles gleich präsent. Poste ich beispielsweise ein veganes Rezept ruft es aus der einen Richtung „Bravo“ – fünf andere fragen mich, was denn mit mir los sei. Keine Sorge. Ich liebe Fleisch. Ich mein ja nur.

Anderes Beispiel: Ein guter Freund lässt sich nun tätowieren. Neulich hat er mir erzählt, seine Mutter sei von Tattoos im Allgemeinen und von seinem Wunschmotiv im Besonderen nicht so begeistert. Da sei ihm ein Licht aufgegangen. Auch er habe auf der Straße schon tätowierte Leute gesehen, bei denen er sich dachte: „Wie kann man sich nur so einen Scheiß auf den Arm stechen lassen? Und das auch noch für immer.“ Als seine Mutter ihn nun darauf angesprochen hat, dachte er sich: „Wer bin ich eigentlich, dass ich mir erlauben könnte, darüber zu urteilen, was andere mit IHREM Körper machen?“

Letzte Woche dachte ich mir nun: So what?! Wieso lasse ich mich so von der Meinung anderer beeinflussen? Kann es mir nicht egal sein, was andere denken? Natürlich. Sagt mir jeder, den ich das frage. Aber es auch leben, das ist etwas vollkommen anderes. Mir fällt es schwer, andere Meinungen auszublenden und ausschließlich auf mich zu hören. Letzte Woche habe ich nun auf mich gehört und mir eine DJI Mavic Pro gekauft. Eine Drone. Zum Filmen. „Jens, was brauchst du denn eine Drone?“ kam u.a. via WhatsApp. Eine Kollegin hat ein Video hochgeladen, wie ich das Ding im Büro habe fliegen lassen. Als ich abends dann das erste Video auf Instagram hochgeladen habe, ist fast mein Smartphone explodiert.

So viele Nachrichten habe ich nicht einmal zu meinem Geburtstag bekommen. Überraschend für mich: Die meisten waren in der Tat sehr überrascht, aber durchaus positiv. Die meisten hätten wahrscheinlich auch einfach selbst gerne eine. Denke ich mir zumindest. Long story short: Ich habe mir vorgenommen, um das mal umgangssprachlich zu formulieren, darauf zu scheißen, was andere von meinem Leben und meinen Entscheidungen halten.

Zurück zu den Eingangsfragen: Wieso macht man nicht mehr? Wieso sehnt sich der Mensch so nach Sicherheit? Ich weiß es nicht. Ich habe nun eine Drone. Ja, sie war teuer. Nein, ich brauche sie nicht beruflich. Aber was bringt mir das Geld auf dem Konto? Was, wenn ich morgen von der U9 angefahren werde? Ich werde damit geile Videos machen und oben drauf noch einen riesigen Spaß haben. So what?!

Jens Schmitt

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